Ungarn, Bulgarien und Rumänien zählen nicht zu den klassischen Mittelmeerländern, dennoch wird mittels Schnelltest (Snap-Test) auf gängige Erreger wie Anaplasmose, Herzwürmer (Dirofilariose), Babesiose und Ehrlichiose getestet.
Welpen und Junghunde unter einem Jahr
Tests vor der Ausreise sind bei sehr jungen Hunden oft unzuverlässig oder medizinisch noch nicht aussagekräftig. Herzwurm-Tests benötigen eine biologische Reifezeit von etwa 6 Monaten, und Antikörper bei Ehrlichiose oder Leishmaniose können in den ersten Lebensmonaten noch mütterlichen Ursprungs (von der Muttermilch) sein.
Ein verlässlicher Nachtest in Deutschland empfiehlt sich daher generell 6 Monate nach der Ankunft bzw. ab dem ca. 1. Lebensjahr. Sollte vorab ein konkreter Krankheitsverdacht bestehen, sorgt ein präziser PCR-Labortest beim Tierarzt sofort für Klarheit.
Prävention & Allgemeines
Mittlerweile sind Infektionen durch den Klimawandel auch in Deutschland möglich oder können durch gemeinsame Urlaubsreisen entstehen. Sorgen Sie daher stets für einen geeigneten, tierärztlich empfohlenen Zecken- und Mückenschutz (z. B. ein wirksames Spot-On oder ein spezielles Parasitenhalsband mit repellierender Wirkung).
Informationsbroschüre von Parasitus Ex e.V.
Kurz erklärt: Anaplasmose, Babesiose & Ehrlichiose
Diese drei Erkrankungen werden durch Bakterien oder Einzeller ausgelöst, die ausschließlich durch den Stich infizierter Zecken übertragen werden. Eine direkte Ansteckung von Hund zu Hund ist nicht möglich.
- Anaplasmose (Der heimische Erreger):
- Überträger: Der Gemeine Holzbock (unsere ganz normale Wald- und Wiesenzecke).
- Was passiert: Die Bakterien greifen die weißen Blutkörperchen an. Die Krankheit ist in ganz Mitteleuropa – also auch flächendeckend in Deutschland – verbreitet.
- Symptome: Häufig symptomlos, bei Ausbruch zeigt der Hund Fieber, Abgeschlagenheit und Gelenkschmerzen (Humpeln).
- Ehrlichiose (Die „Hundeseuche“ des Südens):
- Überträger: Die Braune Hundezecke (liebt Wärme, kommt in Bulgarien/Rumänien vor, in Deutschland nur in beheizten Räumen überlebensfähig).
- Was passiert: Die Bakterien nisten sich in den Immunzellen ein und schädigen langfristig die Blutplättchen.
- Symptome: In der akuten Phase Fieber und geschwollene Lymphknoten. Bleibt sie unerkannt, kann sie nach Monaten oder Jahren chronisch werden und zu einer gefährlichen Blutungsneigung (z. B. Nasenbluten) oder Nierenschäden führen.
- Babesiose (Die „Hundemalaria“):
- Überträger: Die Auwaldzecke (breitet sich aktuell auch in Deutschland massiv aus).
- Was passiert: Hier handelt es sich um winzige Einzeller (Babesien), die wie winzige Vampire die roten Blutkörperchen des Hundes im Rekordtempo zerstören.
- Symptome: Ein akuter Ausbruch zeigt sich durch sehr hohes Fieber, extreme Schwäche und oft dunkelbraun verfärbten Urin. Rechtzeitig erkannt, ist sie mit einem Gegenmittel (meist Carbesia) jedoch hervorragend heilbar.
Leishmaniose (Die chronische Infektion)
- Überträger: Die winzige, nachtaktive Sandmücke (sie benötigt Wärme und kommt in Ungarn kaum, in Bulgarien und Rumänien aber zunehmend vor).
- Was passiert: Einzellige Parasiten (Leishmanien) nisten sich in den inneren Organen (vor allem Milz, Leber und Nieren) sowie im Knochenmark ein. Die Krankheit hat oft eine sehr lange Inkubationszeit von Monaten bis Jahren.
- Symptome: Typisch sind schleichender Gewichtsverlust, Hautveränderungen (oft schuppige, haarlose Ringe um die Augen – die sogenannte „Brillenbildung“) und übermäßig schnell wachsende Krallen. Die Leishmaniose ist zwar nicht vollständig heilbar, lässt sich aber mit Medikamenten (wie Allopurinol) heute so gut kontrollieren, dass betroffene Hunde ein langes, völlig normales Leben führen können.
Unsere Empfehlung für maximale Sicherheit:
Um gesundheitliche Risiken für Ihr neues Familienmitglied lückenlos auszuschließen, empfehlen wir Adoptanten folgendes Test-Schema:
- Schritt 1: 2 bis 3 Wochen nach der Ankunft
- Lassen Sie einen ersten Check beim Haustierarzt durchführen – am besten direkt in Verbindung mit einem großen Blutbild inklusive Organwerten. Für den Herzwurm ist es zu diesem Zeitpunkt zwar noch zu früh, aber andere typische Reisekrankheiten (wie Ehrlichiose oder Anaplasmose) haben kürzere Inkubationszeiten und lassen sich so frühzeitig erkennen. Zudem zeigt das Blutbild sofort, wie der Hund den Reisestress verkraftet hat und ob versteckte Entzündungen oder eine Blutarmut vorliegen.Schritt 2: 6 Monate nach der Ankunft (Der wichtigste Wiederholungstest!)
- Nach einem halben Jahr in Deutschland steht der entscheidende Nachtest an. Dies ist aus zwei Gründen zwingend erforderlich:
- Aufgrund der 6- bis 7-monatigen Entwicklungszeit der Herzwürmer können wir erst jetzt einen Befall, der kurz vor der Ausreise stattgefunden hat, medizinisch sicher ausschließen.
- Auch die Leishmaniose hat eine sehr lange Inkubationszeit und zeigt sich im Labor oft erst Monate nach der Infektion. Da eine unserer Herkunftsregionen (Pitești, Rumänien) betroffenes Gebiet ist, ist dieser vollständige „Mittelmeer-Check“ nach 6 Monaten die einzige Methode, um eine versteckte Infektion rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.
