Heute möchten wir euch Gyöngyi vorstellen.
Gyöngyi ist Leiterin des HEROSZ Tierheims Fehérvár, Zoologin und seit mehr als 30 Jahren im ungarischen Tierschutz aktiv. Neben ihrer täglichen Arbeit für Tiere in Not setzt sie sich mit großer Leidenschaft für Aufklärung, Prävention und verantwortungsvolle Tierhaltung ein. Für sie bedeutet Tierschutz weit mehr als die Rettung einzelner Tiere – er beginnt mit Wissen, Verständnis und dem respektvollen Umgang mit allen Lebewesen.
Im Interview spricht sie über besondere Begegnungen mit Mensch und Tier, die Kraft kleiner Veränderungen, die Bedeutung von Präventionsarbeit und darüber, warum ihr größter Wunsch eine Zukunft ist, in der Tierheime immer weniger gebraucht werden.

Wer bist du – und was sollten Menschen als Erstes über dich wissen?
Mein Name ist Gyöngyi Krepsz. Ich bin Agraringenieurin und Zoologin. Seit 1995 arbeite ich im Tierschutz, und seit 1996 leite ich das HEROSZ Tierheim Fehérvár. Seit dem Jahr 2000 bin ich Mitglied des nationalen Vorstands von HEROSZ und kümmere mich dort vor allem um die Koordination und Vernetzung der regionalen Organisationen. Seit 2019 bin ich außerdem Vorsitzende des Kuratoriums der HEROSZ Tierheimstiftung Fehérvár.
Was macht deine Arbeit im Tierschutz oder deinen Alltag besonders?
Ich betrachte Tierschutz als etwas Ganzheitliches, und genau diese Sichtweise möchte ich weitergeben. Neben dem Betrieb des Tierheims halte ich Präventionsarbeit für besonders wichtig. Dazu gehören einerseits Kastrationsprogramme, andererseits Aufklärung und Bildungsarbeit.
Die Menschen müssen verstehen, dass Tiere fühlende Lebewesen sind und man nicht beliebig mit ihnen umgehen kann. Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass wir Menschen ohne die Natur und die Vielfalt des Lebens nicht bestehen können.
Welcher Moment aus deiner Arbeit ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, denn jeder Tag bringt neue und besondere Erlebnisse mit sich. Tiere geben unmittelbare Rückmeldungen. Sie zeigen ihre Dankbarkeit, ihre Zuneigung und ihr Vertrauen jeden Tag aufs Neue. Diese Momente bedeuten mir sehr viel.
Zum Beispiel, wenn ein Hund bei einem Besuch genau auf die mürrischste und am wenigsten interessierte ältere Person zugeht, seine Pfote auf deren Knie legt und damit ein Lächeln hervorzaubert. Ein Mensch, der zuvor kaum gesprochen hat oder anderen gegenüber sogar abweisend war, beginnt plötzlich von seinen eigenen Hunden zu erzählen. Solche Augenblicke bleiben in Erinnerung.
Oder als wir ein Kinderheim besuchten und ich einem kleinen Kind, das ständig zitterte, einen Welpen auf den Schoß setzte. Nach einiger Zeit bemerkten wir, dass der Welpe friedlich eingeschlafen war – und die Hand, die ihn streichelte, nicht mehr zitterte.
Auch die Momente, in denen ein krankes Tier mich mit dankbaren Augen ansieht und ich erkenne, dass es ihm besser geht und es wieder gesund werden wird, bleiben mir im Herzen. Ich trage viele solcher Erinnerungen in mir
Was war dein lustigster oder unerwartetster Moment im Tierschutz?
Tiere bereiten mir jeden Tag Freude, weil sie das Leben in seiner ganzen Fülle und ganz im Hier und Jetzt leben. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, muss ich oft lächeln.
Die Arbeit im Tierschutz ist voller unerwarteter Situationen. Man muss jederzeit bereit sein, neue Herausforderungen anzunehmen und kreative Lösungen zu finden.
Was gibt dir Kraft, auch in schwierigen Momenten weiterzumachen?
Die Reaktionen der Tiere geben mir die größte Kraft. Ich weiß, dass ich nicht jedes Tier retten kann, aber ich werde es immer versuchen.
Wenn ein aggressives Tier zum ersten Mal um eine Streicheleinheit bittet, wenn ein krankes Tier wieder unbeschwert laufen kann oder wenn ich einem ehemaligen Schützling begegne und sehe, dass er heute ein glückliches und ausgeglichenes Leben führt – dann weiß ich, dass sich jede Mühe lohnt.
Außerdem habe ich das Glück, von vielen großartigen Menschen umgeben zu sein. Wenn ich traurig bin oder eine schwierige Zeit durchmache, gibt es immer jemanden, der mir zur Seite steht und mir neue Kraft gibt.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die Tiere lieben und helfen wollen?
Es reicht nicht aus, einfach ein Tier zu halten. Wir sollten uns bemühen, Tiere wirklich zu verstehen.
Wer ein Tier wirklich liebt, achtet auf seine tatsächlichen Bedürfnisse und nicht nur auf die eigenen Vorstellungen. Tiere bereichern unser Leben auf einzigartige Weise, wenn wir ihnen mit Respekt, Verständnis und Liebe begegnen.
Du engagierst dich über dein eigenes Tierheim hinaus – was treibt dich an, dich so umfassend für den Tierschutz einzusetzen?
Je mehr Menschen ich erreiche und je mehr Wissen ich über Tiere weitergeben kann, desto mehr Tieren kann letztlich geholfen werden.
Prävention ist der wichtigste Teil des Tierschutzes. Unser Ziel muss es sein, zu verhindern, dass Tiere leiden oder überhaupt erst auf der Straße landen. Eigentlich arbeiten wir darauf hin, eines Tages nicht mehr gebraucht zu werden.
Deshalb organisiere und leite ich Tierschutzcamps. Deshalb nehme ich möglichst jede Einladung an, bei der ich über Tierschutz sprechen kann. Deshalb engagiere ich mich im nationalen Vorstand von HEROSZ, um meine Erfahrungen und mein Wissen mit anderen Tierheimleitungen zu teilen.
Aus demselben Grund habe ich an der Entwicklung des Tierschutz-Kompetenzprogramms mitgewirkt und an strategischen Konzepten gearbeitet, damit noch mehr Menschen erreicht werden können. Außerdem haben wir Umweltbildungs- und Tierschutzkonferenzen organisiert, um Wissen weiterzugeben und langfristig bessere Lebensbedingungen für Tiere zu schaffen.
Tierheimleiterin, Tierschützerin, Aufklärerin und Wegbegleiterin für Mensch und Tier: Gyöngyi zeigt seit Jahrzehnten, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann, wenn Fachwissen, Mitgefühl und Entschlossenheit zusammenkommen.
Danke, Gyöngyi, für deinen unermüdlichen Einsatz, deine Geduld und dein großes Herz. Nicht nur die Tiere, die durch deine Hände gegangen sind, profitieren von deiner Arbeit – sondern auch die vielen Menschen, denen du zeigst, wie echter Tierschutz beginnt: mit Verständnis, Respekt und Verantwortung.







