Heute möchten wir euch Betty vorstellen.
Seit mehr als 25 Jahren kämpft Betty unermüdlich für Tiere in Not. Als Gründerin von PCAS Pets’ Care und Initiatorin von „No Kill Hungary“ hat sie das Leben von Tausenden Hunden und Katzen nachhaltig verändert. Für dieses lebenslange Engagement wurde sie 2024 offiziell als „Zivile Tierschützerin des Jahres“ mit dem ungarischen Tierschutzpreis ausgezeichnet und zählt heute zu den prägendsten Stimmen des ungarischen Tierschutzes.
Im Interview spricht sie über den Alltag zwischen Tötungsstationen und Happy Ends, über traumatische Momente und darüber, was ihr die Kraft gibt, niemals wegzusehen.

Wer bist du – und was sollten Menschen als Erstes über dich wissen?
Ich bin Betty, vegane Tierschützerin und Tierrettungshelferin. Im Jahr 2000 habe ich den Verein PCAS Pets’ Care Tierschutz- und Umweltschutzverein gegründet und leite ihn bis heute. In den vergangenen Jahrzehnten habe ich einen großen Teil meines Lebens dafür eingesetzt, Tieren in Not eine Chance auf Leben zu geben. Wir waren an der Rettung von mehr als 23.000 Tieren beteiligt. Für mich ist jedoch jedes einzelne Leben gleich wichtig – ganz gleich, ob Hund, Katze oder ein anderes Tier. Unser wichtigstes Ziel ist die Abschaffung des ungarischen Tötungsstationssystems sowie die Einführung nachhaltiger präventiver Lösungen.
2022 habe ich außerdem die Bewegung „No Kill Hungary“ ins Leben gerufen, um mit Hilfe von Online-Freiwilligen noch mehr Hunde aus ungarischen Tötungsstationen retten zu können.
Was macht deine Arbeit im Tierschutz oder deinen Alltag besonders?
Vielleicht die Tatsache, dass es für mich keine Arbeit, sondern eine Lebensweise ist. Es gibt keine festen Arbeitszeiten, keine Wochenenden und keine Feiertage. Ein Notruf um zwei Uhr nachts ist genauso wichtig wie einer am Tag. Mein Alltag ist von Unvorhersehbarkeit geprägt: In einem Moment retten wir ein verletztes Tier, im nächsten sprechen wir mit Behörden oder suchen ein Zuhause für einen geretteten Hund. Jeder Tag ist anders, aber jeden Tag treibt mich dasselbe Ziel an: denjenigen zu helfen, die nicht selbst um Hilfe bitten können.
Welcher Moment aus deiner Arbeit ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Es ist sehr schwer, aus Tausenden von Rettungen einen einzigen Moment hervorzuheben. Besonders berühren mich die Begegnungen mit Tieren, die einst dem Tod geweiht waren oder schwer misshandelt wurden und Monate später glücklich in ihren neuen Familien leben. In ihren Augen Vertrauen zu sehen, wo zuvor nur Angst war – das sind die Momente, die man nie vergisst.
Ich werde niemals einen Welpen vergessen, der schwer misshandelt und am Straßenrand seinem Schicksal überlassen wurde. Ebenso wenig vergesse ich einen Hund, dem ein Böller im Maul gezündet wurde. Doch auch viele weitere Schicksale unserer Schützlinge haben sich tief in meine Seele eingebrannt, denn ich habe unzählige misshandelte und schwer verletzte Tiere gerettet.
Was war dein lustigster oder unerwartetster Moment im Tierschutz?
Die Tierrettung ist voller überraschender Situationen. Einmal wurden wir wegen eines angeblich „lebensgefährlich bedrohten“ Hundes alarmiert. Als wir ankamen, stellte sich heraus, dass der Hund während eines Familienfestes Würste stahl, während ihm die halbe Nachbarschaft hinterherlief. Tiere schaffen es oft, selbst in den angespanntesten Situationen ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen zu zaubern.
Was motiviert dich nach all den Jahren noch immer, jeden Tag für Tiere zu kämpfen?
Die Tiere, die uns noch brauchen, geben mir Kraft. Jedes gerettete Leben ist der Beweis dafür, dass man niemals aufgeben darf. Wenn ein verletztes oder verlassenes Tier eine neue Chance bekommt, erinnert mich das immer daran, warum ich diesen Weg begonnen habe und warum es sich lohnt, ihn weiterzugehen.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die Tiere lieben und helfen wollen?
Jede Hilfe zählt. Es geht nicht nur darum, ein Tier zu adoptieren oder zu spenden. Schon durch verantwortungsvolle Tierhaltung, die Kastration der eigenen Tiere, Aufmerksamkeit gegenüber den Tieren in unserer Umgebung und dadurch, dass wir nicht wegsehen, wenn wir Leid erkennen, können wir viel bewirken. Tierschutz ist nicht die Aufgabe einiger weniger Menschen – er ist unsere gemeinsame Verantwortung.
Wie gehst du mit den emotionalen Herausforderungen und den oft erschütternden Erlebnissen im Tierschutz um?
Das Wissen, dass vielen Tieren keine Hilfe mehr bleibt, wenn ich stehen bleibe. Es gibt Tage, an denen die Hilflosigkeit, die Gleichgültigkeit oder der Anblick von Tierquälerei sehr belastend sind. Dann denke ich an die Tiere, die heute in Sicherheit sind, weil ihnen rechtzeitig geholfen wurde. Sie erinnern mich daran, dass jeder Kampf einen Sinn hat und dass selbst ein einziges gerettetes Leben ein großer Erfolg ist.
Bettys Einsatz zeigt eindrucksvoll, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann. Hinter jeder Rettung und jedem veränderten Schicksal steht für sie dieselbe unerschütterliche Überzeugung: Jedes Tier verdient eine Chance. Mit Herz und Mut schenkt sie den Vergessenen eine Stimme – und wir sind unendlich dankbar, sie als Partnerin und Freundin an unserer Seite zu wissen.
Danke, Betty, für deinen mutigen Kampf und deine tiefe Liebe zu den Schwächsten. Jedes Mal, wenn heute in den Augen eines geretteten Hundes Vertrauen statt Angst zu sehen ist, ist das dein Verdienst – ohne dich gäbe es all diese glücklichen Enden nicht.







